Gewaltverzicht - Bildbeschreibung

 

Der Weg selbst führt schnurgerade in die Ferne. Wenn man sich Schilder und Fahne wegdenkt, nur den Weg in der freien Natur im Bild lässt, ist das ein einfaches Bild mit frohen Farben. Der Maler hat in diese naive Szene eingetragen, womit man auf seinem Weg rechnen muss: mit der gewaltbereiten Natur des Menschen. Sie muss begrenzt werden. 

Konflikte sind normal, wenn Menschen mit ihren unterschiedlichen Wahrnehmungen und Wünschen zusammentreffen. Man kann in eine Verstrickung mit einem anderen geraten, an der keiner von beiden Schuld hat. Und möglicherweise verstrickt man sich genau deswegen immer tiefer. Der Konflikt kann eskalieren. Da erscheint Gewalt als eine Möglichkeit, sein vermeintliches Recht durchzusetzen, seine Kränkung zu rächen oder mit der Demonstration eigener Stärke alles zu beenden. Das ist verständlich, doch es würde nichts beenden. Gewalt würde die Eskalation weiter vorantreiben.

Wer sich zum Gewaltverzicht bereit erklärt, zähmt den Wunsch nach einer brachialen Konfliktbeendigung und schafft den ersten Wendepunkt hin zur konstruktiven Konfliktlösung. 

Bloßer Verzicht auf äußere Gewaltanwendung ist allerdings nur ein erster Schritt, der – unverzichtbare - Rahmen für weitere Schritte. 

Von diesem wichtigen Schritt her kann man weiterdenken: Was, wenn aus dem klugen Gebot für diesen Konflikt eine grundsätzliche Haltung, eine Lebensanschauung „Nie Gewalt!“ würde?

Dann könnte man bei Mahatma Gandhi den Begriff satyagraha aufgreifen; Martin Luther King nennt diese Haltung der Gewaltfreiheit „Kraft zum Lieben“.

Gewaltfreiheit ist eine Grundhaltung, die Gewalt in allen Lebensbereichen minimieren und überwinden will, die immer auch positive Alternativen zur Förderung einer gerechten Welt sucht. Sie ist mehr als ein Waffenstillstand im Konflikt – sie ist der revolutionäre Versuch, das Leben aller zu achten und zu fördern und in jedem Gegenüber, auch im feindseligsten, den Mitmenschen zu sehen. In dieser Haltung verbirgt sich eine große Macht. Sie ist die Quelle unglaublicher gesellschaftlicher Veränderung, die, weil sie nicht mit Gewalt erzwungen wurde, nachhaltig wirken und Menschen verändern kann.

  

Impulse zur Arbeit mit Gruppen und Klassen